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1. |
Die CVJM-Bewegung ist eine Vereinsbewegung. CVJM ist eine Chance, die Versammlungs- und Lebensform des Vereins, die durch die freie Vereinigung und frei übernommene Verantwortung Ehrenamtlicher bestimmt ist, für evangelisches Leben zu nutzen und umgekehrt mit evangelischem Engagement im Vereinsleben präsent zu sein.
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2. |
Der „Rheinisch-Westphälische Jünglingsbund”, der seit 1970 CVJM-Westbund heißt, hat wie sehr viele Formen und Zweige heutigen evangelischen Lebens seinen Ursprung im frühen 19. Jahrhundert. Das ist die Zeit der Frühindustrialisierung, der nationalen und geistlichen Erweckung und der neuen Bestrebungen von Bürgern, ihre Rechte und Anliegen in selbst geschaffenen demokratischen Strukturen in die Hand zu nehmen. Gerade der heutige CVJM-Westbund ist besonders verbunden mit dem Jahr 1848, in dem die demokratische Bewegung von verantwortlicher Teilhabe und Gleichberechtigung aller für ein Jahrhundert ihren Höhepunkt hat. Er verdankt sich dieser Bewegung mit der Gedankenfreiheit und der erkämpften Versammlungs- und Vereinsfreiheit.
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3. |
Die ersten Vereine haben entwurzelten jungen Industriearbeitern, die weithin recht- und schutzlos waren, eine Gemeinschaftsform gegeben, in der sie leben und ihren Verein selbst leiten konnten. Sie fanden in dieser Form Orientierung an Jesus Christus in einem auf sie bezogenen persönlichen, gemeinschaftsorientierten, praktischen und zeitgemäß ausgedrückten Glauben in weltweiter Verbundenheit, der sie zu eigener Mitarbeit berief.
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4. |
Der CVJM hat in seiner Geschichte viele aktuelle Formen der bündischen Jugendbewegung der 1920-er Jahre aufgenommen, sie aber auch wieder aufgegeben, als sie veralteten.
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5. |
Der CVJM hat einen tragenden „Gedanken”. In der Pariser Basis (1855), die 1905 vom heutigen CVJM-Westbund angenommen wurde, ist dieser Gedanke ausgedrückt durch die Bindung an Jesus Christus und seinen Dienst. Die Basis betont die Nachfolge Jesu Christi, die Gemeinschaft seiner Nachfolgerinnen und Nachfolger und das Glaubenszeugnis der jungen Menschen in ihrer peer group. Sie grenzt sich ab von Meinungsstreit und Spaltung.
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6. |
Das CVJM-Dreieck, das als Logo auch im CVJM-Westbund den Leuchtturm abgelöst und das Eichenkreuz auf die Plätze verwiesen hat, wird gewöhnlich als ganzheitliches und ausgewogenes Verhältnis von Leib, Seele und Geist ausgelegt. Der CVJM ist bei seiner Förderung junger Menschen in gleicher Weise offen für Glaube, Sport, Kultur, Arbeit, gesellschaftliches und politisches Leben. Eines soll nicht das andere beherrschen und verdrängen. Der Glaube, der die anderen Elemente verdrängen will, beschädigt sich selbst.
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7. |
Die CVJM-Bewegung bietet gleichen Raum für Frauen und Männer — während die Evangelische Gesellschaft für Deutschland die Ordination von Frauen ablehnt und Mühen hat, Frauen und Männer gleichberechtigt als Vorstandsmitglieder anzunehmen [1].
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8. |
Der CVJM lehnt christliche Lehrstreitigkeiten ab. Er kann aber alle alten und neue Wege offen und engagiert prüfen. Er beruft Menschen zur Mitarbeit, die die Nachfolge Jesu Christi auf unterschiedliche Weise ausdrücken — während das Leitbild 2010 der Evangelischen Gesellschaft den Eindruck vermittelt, dass es mit der theologischen Arbeit von Rudolf Bultmann und Karl Barth abgeschlossen hat und damit mit dem größten Teil der deutschsprachigen evangelischen Theologie, aus der auch die Theologische Erklärung von Barmen hervorgeht [2].
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9. |
Dem CVJM gehören Christinnen und Christen engagiert und gleichberechtigt an, die sich etwa in der ökumenischen Bewegung oder in der Evangelischen Allianz engagieren oder die hoffen, beide verbinden zu können. Hier vollzieht der CVJM-Gedanke keine Bewertung. Die CVJM-Bewegung hat sich niemals den Heiligkeits- und Brüderbewegungen etwa in der Nachfolge von John Wesley und John Nelson Darby oder dem Werk von Alfred Kuen verpflichtet. Sie kann und darf Menschen weder auf diese noch auf andere Bewegungen verpflichten. Sonst würde sie sich selbst aufgeben. So gehört auch der CVJM-Gesamtverband zusammen mit vielen anderen evangelischen und evangelisch-freikirchlichen Einrichtungen für Mission und Bibelverbreitung dem Evangelischen Missionswerk in Deutschland an.
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10. |
Der CVJM arbeitet mit Gremien, anderen Vereinen und Gruppen sowie Kirchen zusammen. Er entwickelt dauerhafte oder projektbezogene Zusammenarbeit, bei der alle Beteiligten eigenständige Partner sind und bleiben — während die Evangelische Gesellschaft für Deutschland nur zusammenarbeitet in Verbindungen, in denen sie selbst die Leitung hat [3].
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11. |
Der CVJM kann und wird als eigene Bewegung bestehen, wenn er seinem eigenen Gedanken folgt — während für die Evangelische Gesellschaft in Deutschland der CVJM im Raum Wetzlar in die Gemeinden und Gemeinschaften der Evangelischen Gesellschaft führen soll [4]. Dieses Ziel würde aber den CVJM als eigene Bewegung in unserem Raum beenden.
Horst Kannemann, 8. Januar 2008
Anmerkungenvgl. Evangelische Gesellschaft f.D./Neukirchener Mission: Jahresbericht 1999 zur 151. Jahreshauptversammlung im Bibel- und Erholungsheim Hohegrete am 28. August 1999, vorgelegt von Volker Heckl, 8-10: Thesen zur Frauenfrage in der EG, online www.egfd.de/2003/eg/download/EG-Jahresbericht1999;
[2] Die „Satzung der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland, verabschiedet auf der Jahreshauptversammlung am 4. Juni 2005 in Pracht / Hohegrete” formuliert als Präambel II: „Die Aufgabe und das Ziel der EG sind die Ausbreitung der evangelischen Heilswahrheit in Deutschland aufgrund des Wortes Gottes. Dabei sollen die Glaubensgrundlage der EG als verbindlich und die Anliegen der Reformation und des Pietismus, sowie die Barmer Theologische Erklärung von 1934 (Anlage A) und das Wuppertaler Bekenntnis von 1963 (Anlage B) als hilfreich beachtet werden”.
[3] vgl. Evangelische Gesellschaft f.D.: Jahresbericht 2002, vorgelegt von Volker Heckl, online (ohne Titel) www.egfd.de/2003/eg/download/EG-Jahresbericht2002.zip. Auszüge aus früheren Berichten, die der Text 2002 erneut dokumentiert, formulierten etwa unter 11. Evangelisation „An der Evangelisation ProChrist mit Billy Graham haben wir nur dort teilgenommen, wo unsere Brüder die Vorbereitungen aktiv mitgestalten und leiten konnten” (27 aus dem Jahr 1993), und unter 12. Hauskreise: „Ein wichtiges Element dazu ist nach wie vor die missionarische Hauskreisarbeit. Dies ist meines Erachtens die Möglichkeit, in einer persönlichen Atmosphäre fremde entkirchlichte und ent-christlichte Menschen mit dem Evangelium zu konfrontieren. Gewährleistet sein muss die Anbindung an die Gemeinschaft” (31, aus dem Jahr 1992).
[4] vgl. ebd., 25: EG-Kinder- und Jugendarbeit und CVJM und EC. Der Text gibt die bei einem Vorstandsgespräch des CVJM-Westbund mit der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland im Jahre 1995 vertretenen Positionen wieder und formuliert: „In unseren Gemeinschaften (Westerwald und Wetzlarer Bereich) ist der CVJM kein fremder Verein, sondern dort soll die Jugendarbeit in die Gemeinschaft einmünden”.
Der vorstehende Text ist angeregt durch eine Veröffentlichung „Nachgedacht” mit der Frage „Warum eigentlich CVJM?” in der Ausgabe Januar — Februar — März 2008 des Mitteilungsblatts „Dreieck” des CVJM-Kreisverbands Wetzlar-Gießen e.V. |