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Der nachstehende Gedankenanstoß ist mein erster Versuch, die Entscheidungen des Beschlusses Zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden (1980) der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland aufzunehmen für das Verhältnis von Christen und Muslimen. Er orientiert sich an der bekenntnishaften, aber leider noch nicht konsequent genug an der kurzen und prägnanten Sprachform des genannten Beschlusses.
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1. Wir bekennen, indem wir mit Israel auf die Schriften hören:
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Wir haben durch eine lange Geschichte hindurch verdrängt, dass die Verheißungen Gottes an Abraham, den Vater vieler Völker (Genesis / 1. Mose 17, 5), allen Nachkommen Abrahams gelten.
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in der Anerkennung der leiblichen Abrahamsabstammung des Propheten Muhammad über Ismael, in der sie Israel näher ist als wir Heidenchristen es sind, | |
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und in einzigartiger Weise im Nachvollzug der Wege Abrahams, Hagars und Ismaels im höchsten islamischen Fest, dem jährlichen Opferfest, das möglichst von allen Gläubigen in ihrem Leben in der islamischen Abrahamstadt Mekka vollzogen wird. |
2. Wir erkennen in der von Muhammad empfangenen Offenbarung die Botschaft der Schriften Israels wieder
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von der Güte Gottes, des Schöpfers, | |
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von der Nähe Gottes zu seinen Geschöpfen, | |
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vom Wort des einen Gottes an den Menschen und dem Hören des Menschen auf den Einen, | |
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von der Würde und Verantwortung aller Menschen, | |
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von der weltweiten Gemeinschaft der Menschen nach Gottes Weisung, die sich auf Gerechtigkeit und Frieden richtet, | |
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und von Gottes Gericht, das unser Tun und Lassen würdigt. |
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Wir erkennen an, dass die Schriften und das Neue Testament die Gemeinschaft Gottes mit Menschen aus den Völkern würdigen, die Gott fürchten und recht tun entsprechend seiner Weisung (Genesis / 1. Mose 20; Apostelgeschichte 10, 34-35).
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im verpflichtenden Glauben an die von den biblischen Schriften bezeugten Propheten, | |
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in der Praxis des Gebets, | |
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in den Weisungen und Ordnungen eines Lebensvollzugs vor Gott | |
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und in den Erwartungen, die Qur’ân-Auslegungen und Überlieferungen mit Jerusalem, „der Heiligen” (al-Quds), verbinden. |
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Wenn wir mit den Schriften und dem Neuen Testament erwarten, dass alle Völker zum Zion vor Gott kommen werden, um ihren Reichtum vor ihn zu bringen und seine Weisung zu empfangen (Jesaja 2, 1-5 / Micha 4, 1-5; Sacharja 8, 22; Römer 11, 25; Offenbarung 21, 24 und andere), dann wollen wir uns auf unserem jetzigen Weg von der Kraft messianischer Hoffnung eines neuen Himmels und einer neuen Erde bestimmen lassen und überlassen Gott als dem Herrn aller Welt das entscheidende und lösende Urteil über Fragen, die wir noch nicht lösen können im Widerstreit umfassender Zeugnisse vom Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. |
Eine Auswahl erläuternder Hinweise
Genesis / 1. Mose 17, 18.21 nennt die Verheißung von Mehrung und Segen an Ismael. Gott spricht dieselbe Verheißung auch Hagar zu (16, 10; 20, 18). Hagar und Ismael erfahren die Gemeinschaft mit Gott (16, 7.13.14; 21, 20).
Die arabischen Völker sind nicht nur für die Bibel Nachkommen Abrahams mit Hagar und Qetura (Genesis / 1. Mose 15, 1-18). Der Qur’ân bezeichnet den Propheten als’ummî — nicht aus dem Volk der Schrift, Sura al-A‘râf 7, 157.158, vgl. auch al-Jumu‘a 62, 2 und die Nichtkenner der Schrift al-Baqara 2, 78. Für die Bibel sind
’ummîm Nachkommen Ismaels 1. Mose / Genesis 25, 16; ein midianitischer Stamm 4. Mose / Numeri 25, 15 oder nicht näher bestimmte Völker, parallel zu goyîm Psalm 117, 1.
Auch der als von Gott herabgesandte Rechtleitung ehrwürdige Qur’ân nennt das Land Israel „Heiliges Land” (Sura al-Mâ’ida 5, 21al-’ard al-muqaddasa, vgl. Sacharja 2, 16
‘adamat haqodesh) und häufiger „gesegnetes Land”.
Die Reihe der Glaubenszeugen Israels — bis auf Jona ohne die Schriftpropheten —, zusammen mit einigen Kündern Arabiens ist zentrales Thema etwa der Sura al-Ambiyâ’ 21. Beim Gebrauch der beiden Bezeichnungen nabî „Prophet” und rasûl „Gesandter” werden die arabischen Künder ausschließlich als rasûl bezeichnet. Hadithe, z.B. Bukhârî I 2, 47 und VI, 60, 300, machen den Glauben an alle Gesandten Gottes verpflichtend.
Die erste Gebetsrichtung, von deren Änderung Sura al-Baqara 2, 142-147 Zeugnis gibt, war Jerusalem. Die Einführung der fünf täglichen Pflichtgebete verbindet sich mit der Nachtreise des Propheten nach Jerusalem (nach Sura al-Isrâ’ 17, 1), seinem dortigen Gebet und seiner Himmelsreise von Jerusalem aus. Die Praxis des Fastens am 10. Tag des ersten Monats (’Ashura) und andere Riten zeigen Bezüge zur rituellen Praxis Israels.
Die Auslegung von Sura al-Qâf 50, 41 und viele Überlieferungen erwarten in Jerusalem Ereignisse, die zum Ziel Gottes mit aller Welt führen wie das zweite Kommen Jesu, das Gericht und die Auferstehung.
Literatur
Crüsemann, Frank: Wird der eine Gott der Bibel in vielerlei Gestalt in den Religionen verehrt? in: Ich glaube an den Gott Israels. Fragen und Antworten zu einem Thema, das im christlichen Glaubensbekenntnis fehlt, hg. Frank Crüsemann / Udo Theissmann in Verbindung mit Gabriele Obst u.a. 1998, 55-58
Feldtkeller, Andreas: Die ›Mutter der Kirchen‹ im ›Haus des Islam‹. Gegenseitige Wahrnehmungen von arabischen Christen und Muslimen im West- und Ostjordanland. 1998
Klappert, Bertold: Abraham eint und unterscheidet. Begründungen und Perspektiven eines nötigen Trialogs zwischen Juden, Christen und Muslimen, in: RheinReden 1, 1996, 21-64 (gekürzt in: Bekenntnis zu dem einen Gott? Christen und Muslime zwischen Mission und Dialog, hg. Rudolf Weth. 2000, 98-122)
Moubarac, Y[ouakim]: Abraham dans le Coran. L'histoire d'Abraham dans le Coran et la naissance de l'Islam. Étude critique des textes coraniques suivie d'un essai sur la représentation qu'ils donnent de la Religion et de l'Histoire. 1958
Naumann, Thomas: Ismael — Abrahams verlorener Sohn, in: Bekenntnis zu dem einen Gott? Christen und Muslime zwischen Mission und Dialog, hg. Rudolf Weth. 2000, 70-89
Naumann, Thomas: Die biblische Verheißung für Ismael als Grundlage für eine christliche Anerkennung des Islam? in: Lernprozess Christen Muslime. Gesellschaftliche Kontexte — Theologische Grundlagen — Begegnungsfelder, hg. Andreas Renz / Stephan Leimgruber. 2002, 152-170.
Nöldeke, Theodor: Geschichte des Qorâns. Bearbeitet von Friedrich Schwally. Erster Teil. 2. A. 1909. Nachdruck 1961