Jesus
Paulus
Evangelische Kirche im Rheinland
Beschlüsse aus der Evangelischen Kirche im Rheinland




Synodaler Ausschuss für Frauenfragen im Kirchenkreis An der Agger
(Vorbereitungsgruppe für das Mirjam-Heft 2005)





An alle,
die mit dem Arbeitsheft für den Mirjam-Sonntag 2005
"Maria aus Magdala" arbeiten



Der Intersynodale Arbeitskreis für das christlich-jüdische Gespräch (ISAK), zu dem Menschen aus verschiedenen Kirchenkreisen unserer rheinischen Landeskirche gehören, hat mit uns das Gespräch gesucht über einige Passagen in unserem Arbeitsheft, die von ihnen antijudaistisch verstanden worden sind. Nachdem inzwischen ein konstruktives Gespräch zwischen Mitgliedern des Arbeitskreises und Mitgliedern unseres Ausschusses stattgefunden hat, möchten wir Sie auf die entsprechenden Textstellen aufmerksam machen.

Die Kritik entzündet sich vor allem an dem Beitrag „Paulus und Maria — Apostel und Apostelin” (S. 14 - 16). Dieser Beitrag war von uns von Anfang angedacht als eine Art „Zwischenruf” aus tiefenpsychologischer Sicht. Eine Arbeitsgruppe von Menschen, die Interesse an diesem tiefenpsychologischen Zugang haben, wertete Anregungen von Drewermann und Kaufmann (Ev. Pfarrer und Psychotherapeut) aus. Der ganze Beitrag ist sehr auf der Gegenüberstellung von Paulus und Maria aufgebaut. Die Bemerkungen zur pharisäischen Identität des Paulus im psychologischen Teil (S. 14 unten/ S. 15 oben) wurden als antijudaistisch verstanden, zumal eine differenzierte Sicht der verschiedenen Strömungen des Pharisäismus fehlt. Dies bedauern wir und war von uns nicht beabsichtigt. Die Intention dieses Beitrages war, Paulus nicht auf Grund seines Pharisäismus, sondern auf Grund seines Weges als missionierender Apostel Jesu Christi in der Gegenüberstellung zu Maria als Wegbegleiterin Jesu zu zeigen (siehe S. 15). Der Jude Paulus war Pharisäer und Apostel Jesu Christi sein Leben lang. Seine Treue zur Tora — in christlicher Tradition irreführend mit Gesetz übersetzt — ist die Lebenskraft, durch die Gottes Volk Israel überlebt hat. Jesus Christus ist nicht das „Ende des Gesetzes” (Röm 10,4), sondern er bekräftigt und bestätigt mit seinem Leben und seiner Botschaft die Tora, ja er ist quasi die Unterschrift unter die Tora, Gottes Weisungen (Buber) an sein Volk Israel. Wir bitten alle, die den tiefenpsychologisch orientierten Beitrag im Arbeitsheft zu MM[1] und Paulus hilfreich finden, die Aussagen über den Pharisäismus vor diesem Hintergrund kritisch zu lesen. Die neuere theologische Literatur bietet viele Möglichkeiten, den Pharisäismus positiv zu würdigen (aus der Fülle der Literatur z. B. Krister Stendahl, Der Jude Paulus und wir Heiden, München 1978).

Auf dem Hintergrund der Tatsache, dass die christliche Theologie von Anfang an Antijudaismus transportiert hat, sehen wir es als unsere Aufgabe an, bei allem, was wir als Christinnen und Christen sagen, Antijudaismus zu vermeiden bzw. zu überwinden.
Gerade auch in dem Jahr, in dem in der Evangelischen Kirche im Rheinland in besonderer Weise an den Synodalbeschluss „Zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden” vor 25 Jahren erinnert wird, ist es wichtig, unsere christliche Tradition bewusst wahrzunehmen und sie immer wieder auf antijudaistische Tendenzen zu überprüfen.

Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt des ISAK war das Verschweigen der jüdischen Wurzeln der Maria. Dass Maria Jüdin war, wird in unserem Heft erkennbar (vgl. S. 10 und S. 12/13), aber nicht eigens zum Thema. Auf dem Hintergrund der judenfeindlichen Wirkungen großer [2] Teile unserer christlichen Theologie ist es wichtig zu betonen: Maria aus Magdala war Jüdin und Apostelin Jesu Christi. Der Weg, den sie gegangen ist, ist nur von ihren jüdischen Wurzeln her zu verstehen. Dazu gehören: ihre Liebe zur Tora, ihre Hoffnung auf ein Heil- und Ganzwerden im alles, auch die Völker, umfassenden Schalom Gottes.

In einem Gottesdienst-Baustein (S. 24) legen wir der MM eine Predigt in den Mund, die vom „Heil- und Ganzwerden” und von der „Befreiung von Zerrbildern” spricht. Wenn wir dieser Predigt der MM entsprechen wollen, dann müssen wir uns von antijüdischen Tendenzen in allen Gesprächen und Predigten zum Mirjam-Sonntag eindeutig und klar distanzieren.

Schließlich möchten wir Sie auf ein Versehen aufmerksam machen. Im Beitrag „Biblische und apokryphe Texte...” muss es auf S. 7 rechte Spalte, vorletzter Abschnitt, selbstverständlich heißen: „Am ersten Tag der Woche kommt es dann nicht zur vorbereiteten Salbung, sondern zu ‚Engelerscheinungen' an dem leeren Grab’ (statt: „Am Sabbatmorgen... ”).

Wir wünschen uns, dass alle, die mit dem Heft arbeiten, Maria, die Jüdin aus Magdala, entdecken, deren Stimme und Botschaft als Apostelin Jesu Christi im Laufe der Wirkungsgeschichte zum Schweigen gebracht oder entstellt wurde. „Ihr wieder den Platz als Apostelin, als Verkünderin der Osterbotschaft zu geben, galt und gilt unser Engagement” (aus dem Vorwort zum Arbeitsheft, S. 6).

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen anregende Gespräche bei der Vorbereitung und lebendige Gottesdienste am Mirjam-Sonntag.



Für die Vorbereitungsgruppe:
Friederike Schippel, Christa Wülfing

Gummersbach, im Juni 2005






Anmerkung
[1]

Maria aus Magdala


Die obige Wiedergabe folgt dem durch die Verfasserinnen über die Kirchenkreise der Evangelischen Kirche im Rheinland den Kirchengemeinden zugesandten Schreiben. Die Anmerkung ist dieser Onlineveröffentlichung hinzugefügt. In eckigen Klammern ist der Seitenwechsel des Originals angegeben.


Das Arbeitsheft:

Synodaler Ausschuss für Frauenfragen des Kirchenkreises An der Agger:

Maria aus Magdala
Mirjam-Sonntag. Kirchen in Solidarität mit den Frauen
2005



Mirjamsonntag
Vertrieb:

Theologisches Zentrum
Arbeitsstelle für Gottesdienst und Kindergottesdienst
Wuppertal


Online stehen Texte und Bilder des Arbeitsheftes zur Verfügung auf der Seite

Mirjamsonntag 2005

bei
Evangelischer Kirchenkreis An der Agger
— Evangelisch in Oberberg



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