Christliche Geschichte

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Taurosgebirge


L. Schneller

Foto aus

Ludwig Schneller
Erinnerungen eines alten Pfarrers
1933

 
Ludwig Schneller
   


Im Taurus. Im Jahre 46
Bild von Jalowadsch (Yalvac)
Lebenslauf


Antiochia, Cypern, Galatien
Bilder aus dem Leben des Apostels Paulus

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Antiochia, Cypern, Galatien. Bilder aus dem Leben des Apostels Paulus

1914, 40-43




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Ludwig Schneller wurde am 9. April 1858 in Jerusalem geboren als zweites Kind von Johann Ludwig Schneller (1820-1896) und Magdalena Schneller, geb. Böhringer (1821-1902). Seine Geschwister sind Theodor Schneller (1856-1935), Marie Bauer, geb. Schneller (1860-1946), der als Fünfjähriger verstorbene Benoni Schneller (1863-1868, zu seinem biblischen Namen siehe Genesis / 1. Mose 35, 18) und Jakob Johannes Schneller (1865-1901). Der Weg der Familie ist durch das von den Eltern gegründete Syrische Waisenhaus in Jerusalem bestimmt, in dessen Tradition heute die Johann-Ludwig-Schneller-Schule in Khirbêt Qanafâr und die Theodor-Schneller-Schule in Amman stehen.

Zunächst Theodor und Ludwig wuchsen unter arabischen Jungen auf und wurden mit ihnen vom Vater unterrichtet. Die Eltern sandten sie gemeinsam zur Ausbildung nach Deutschland. Von 1869-1873 besuchten sie die Lateinschule (heutiges Stadtmuseum) in Schorndorf. Das dortige Wohnhaus der Brüder in der Höllgasse 11 wurde 2002 durch eine Tafel gekennzeichnet. Später lebte Ludwig in Eßlingen und Ludwigsburg, besuchte das Gymnasium in Züllichau, studierte in Tübingen und Berlin Theologie und erwarb einen theologischen Doktortitel. Er heiratete Katharina von Tischendorf, die Tochter von Angelika Tischendorf, geb. Zehme, und dem Theologen und Biblischen Paläographen Lobegott Friedrich Constantin Tischendorf (1815-1874, 1869 geadelt, Informationen und Bilder gibt Klaus Zehnder-Tischendorf). Dieser hatte 1859 im Kloster der Heiligen Katharina auf dem Sinai den Codex Sinaiticus, eine der ältesten weitgehend vollständigen Handschriften des Neuen Testaments, entdeckt. Die 1891 in Köln geborene Tochter erhielt den Namen Uarda Elisabeth Angelica.

Ludwig Schneller wurde 1881 Pfarrer an der Garnisonskirche in Berlin und 1883 Pfarrer in Neu-Tornow. Dort führte er seine erste Spendenaktion durch, als am Palmsonntag und Tag der Konfirmation 1884 das Haus einer Konfirmandin brannte. Im selben Jahr 1884 berief ihn der Jerusalems-Verein, Berlin, nach dem Missionar Samuel Müller, der wie Johann Ludwig Schneller als Bruder der Pilger-Missions-Gesellschaft auf St. Chrischona ins Heilige Land gekommen war, als ersten Pfarrer in die evangelische Pfarr- und Missionarsstelle nach Bethlehem. Ludwig Schneller gab dem dortigen Gottesdienst eine stärker preußische als anglikanische liturgische Prägung, gab den Anstoß zum Bau der Lutherischen Weihnachtskirche und trat im Rechtsstreit um Tätlichkeiten zwischen Griechen und Protestanten für das von Theodor mit dem Vater geleitete Syrische Waisenhaus ein. Die Bethlehemer evangelische Gemeinde gehört mit den anderen ehemaligen Gemeinden des Jerusalems-Vereins seit der am 11. Juli 1958 durch das Haschemitische Königreich bestätigten Kirchenverfassung zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien. Seit 1988 ist Mitri Raheb Pfarrer der Gemeinde in Bethlehem.

1889 nahm Ludwig Schneller die Pfarrstelle der Trinitatiskirche in Köln am Rhein an und war seitdem rheinischer Pfarrer. 1890 rief er erstmals zu einer Karfreitagsbitte für das Syrische Waisenhaus auf, wie sie bis heute vom jetzigen Evangelischen Verein für die Schneller-Schulen ausgesprochen wird. Seit 1891 leitete Ludwig Schneller von Köln aus die am 12. Juni 1889 in Stuttgart gegründete Missions-Gesellschaft des Syrischen Waisenhauses für das Heilige Land, die deutsche Heimatarbeit der Einrichtung, und erweiterte durch viele Veröffentlichungen, darunter „Der Bote aus Zion” (heute SCHNELLER. Magazin über christliches Leben im Nahen Osten) den Freundeskreis. 1898 begleitete er die Nahostreise Kaiser Wilhelm II. und führte ihn durch Jerusalem. 1905 errichtete die Missions-Gesellschaft in der Ulmenallee 96 in Köln-Marienburg ein Verwaltungs- und Wohngebäude, das als Palästinahaus oder Haus Schneller bekannt wurde. Es wurde nach teilweiser Zerstörung und Wiederaufbau 1950 an die schwedische Botschaft verkauft. Seit 1907 leitete Ludwig Schneller die Missions-Gesellschaft auf einer Pfarrstelle hauptamtlich und warb 1907/08 auch in den USA für die Arbeit. Die Beziehungen zu Spenderinnen und Spendern in den USA wurden eine wichtige Hilfe, das Waisenhaus weiterzuführen, insbesondere als in der nationalsozialistischen Zeit kein Geld von Deutschland nach Palästina überwiesen werden durfte. 1937 wurde Eberhard Gerber in diese Pfarrstelle berufen.

Ludwig Schneller veröffentlichte mehr als achtzig Bücher mit leicht lesbaren Berichten und Erinnerungen, auch Gedichte. Zu seinen Schriften zählen „Kennst du das Land? Bilder aus dem gelobten Lande zur Erklärung der heiligen Schrift” (1889), „Die Kaiserfahrt durch’s Heilige Land” (1899) und „Tischendorf-Erinnerungen. Von einer Entdeckungsreise auf der Sinai-Halbinsel. Merkwürdige Geschichte einer verlorenen Handschrift” (1928).

Ludwig Schnellers Alterssitz war das Haus Friedenswarte in Bad Ems. Dort starb er am 3. August 1953.

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