Abraham

Katechismus des Erbes Abrahams


Hermann Schulze-Berndt
Abrahams Erben
Warum Juden, Christen und Muslime zur Zusammenarbeit berufen sind
Frankfurt am Main: Glaré 2005
67 Seiten, kt, EURO (D) 8,50





Es ist ein segensreicher Gedanke des Autors Hermann Schulze-Berndt (Jg. 1958), katholischer Theologe, Lehrer und Schriftsteller aus der Grafschaft Bentheim, eine knappe, leicht fassliche und übersichtliche Schrift für Schule, Gemeinde und alle Interessierten vorzulegen: einen kleinen Katechismus der Grundkenntnisse und -einsichten zur gemeinsamen Berufung der jüdischen, christlichen und islamischen Abrahamerben. Man wünscht solcher Information und Reflexion in ihrer Beschränkung auf Wesentliches, dass sie reichlich verschenkt, verbreitet und diskutiert wird, damit die christliche Besinnung auf den Dialog mit Juden und Muslimen eine breite und verlässliche Grundlage findet.

Unter den sechs Kapiteln ist das Kapitel 4 besonders eindrücklich, kurz wie alle anderen: „Vergleich: Männer in der Wüste”. Sechs charakteristische Hinweise zu je einem Wort von „Wüste” bis schließlich zu „Wort” selbst lassen sich meditativ weiterführen, um spirituelle Schätze zu heben.

Das Kapitel 5 benennt als „Voraussetzungen für das Gespräch der Religionen” Aufrichtigkeit, Toleranz, Hör- und Sprechbereitschaft, Realismus und Gewaltverzicht. Das Abschlusskapitel schließlich verweist für die Vision „Frieden durch Trialog und Zusammenarbeit” auf die tragende Bedeutung der Glaubensbekenntnisse, sittlicher Gebote, der Menschenrechte, aber auch auf den „Treffpunkt Jerusalem”. Verbreitung ist dem Buch schon zu wünschen aus der Hoffnung, dass Diskussion und Dialog nie wieder hinter die hier formulierten Essentials zurückfallen.

Gut wäre es, zu den mit Recht als Wegweisern genannten katholischen Theologen Adolf Exeler und Hans Küng auch den sprituellen Orientalisten und Ordenspriester Louis Massignon und seinen Schüler, den maronitischen Abt Youakim Moubarac, zu stellen, denn sie legten die Grundlage für die Einsicht des Zweiten Vaticanums, dass Muslime „den Glauben Abrahams” bekennen, damit auch für einen leitenden Gedanken des ermutigenden Büchleins.

An Kapitel 2, „Der Stammvater Abraham”, kann enttäuschen, dass die Darstellung mit dem Fortschreiten vom Alten Testament zum Neuen Testament und zum Koran immer kürzer wird. Der trügerische Eindruck eines ungleichen Gewichts des Stammvaters bei seinen Erben hat seinen Grund darin, dass der Katechismus das wahre Gewicht Abrahams für die Quellen von Christen und Muslimen nicht ausführt — wie fast alle christlichen Darstellungen, in anderer Weise auch viele islamische Glaubensbücher. Abraham hat für das Neue Testament positive Bedeutung nicht nur als „Vorbild des Glaubens” (15). Paulus drückt das Heil für Christinnen und Christen so aus, dass als Frucht der Tat des Christus Jesusder Segen Abrahams unter die Völker kommt” und „der verheißene Geist durch den Glauben empfangen” wird. Die Christus gehören, sind „Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben” (Galater 3, 14.29). Segen und Verheißung sind nicht nur alttestamentliche Begriffe. Biblisch ist Abraham in Person Segen, Verheißung und Grundlegung der „Bundestreue”(12) Gottes selbst — in der Tat auch der Berufung, wie Hermann Schulze-Berndts Untertitel andeutet.

Entsprechend ist auch für den Koran Abraham nicht nur „Imam” — Leiter und Vorbild (16 mit Sura 2, 124). Er ist auch „umma” — Gemeinschaft (Sura 16, 120). Im Unterschied zu den meisten Propheten, den Bußrufern, hat er eine grundlegende Funktion. Das jährliche Opferfest weist im Nachvollzug seines Weges den Islam offensichtlicher als alle anderen Glaubenswege aus als Abrahamsreligion. Das muss nicht als Vereinnahmung (16), sondern es kann positiv gewürdigt werden.

Hermann Schulze-Berndts Einsicht in den Charakter der Offenbarung als „Wort” (35) erschließt (zumal evangelischen) Christen die Bedeutung des Koran. Das kann auch Kapitel 3 „Die Erben: Mose, Jesus und Mohammed” warnen vor einer Einseitigkeit westlicher Orientalistik, den Schlüssel zum Islam „einzig und allein” im „Charisma und Wirken” (26) der Persönlichkeit Mohammeds zu sehen.

Der Abrahamskatechismus der jüdisch-christlich-islamischen Begegnung gibt also Anregung zur Weiterarbeit auch mit den Schriften selbst.

Horst Kannemann


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